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Welpe oder erwachsener Hund?
Sicherlich wird sich mancher Besucher dieser Seiten sagen: "Das brauche ich gar nicht zu lesen. Die Autorin ist selbst Züchterin, also rät sie im eigenen Interesse zur Anschaffung eines Welpen." Das wäre allerdings ein Trugschluss - und jeder Züchter der so argumentieren würde wäre außerdem sehr kurzsichtig.
Der Welpe wird in der Regel mit 9 bis 10 Wochen in sein neues Zuhause einziehen. Ein süßes verspieltes kleines Wesen, über dessen zukünftige körperliche und charakterliche Entwicklung man aber noch relativ wenig sagen kann. In diesem Alter sind die Hunde natürlich besonders anpassungfähig an ihre Umwelt und werden im postiven Fall später vollkommen den Tagesrhythmus und die Gewohnheiten ihrer Familie annehmen. Das bedeutet aber viel Arbeit und Mühe und auch Verantwortung, denn Fehler, die man in der Aufzuchtphase begeht, sind meist nur sehr schwer wieder zu korrigieren. Das gilt sowohl für die körperliche wie auch die psychische Entwicklung des Junghundes. Und trotz aller Mühe sind Überraschungen nicht ausgeschlossen: Der kleinste Welpe des Wurfes kann durchaus später der Größte von allen Geschwistern sein, der sanfteste Welpe kann sich in der Pubertät zum "Frechdachs" entwickeln usw. Man benötigt viel Zeit für die Erziehung, kann einen Welpen nur sehr begrenzt alleine lassen, hat anfänglich oft Probleme mit der Stubenreinheit und muss mit so manchem zerstörten Einrichtungsgegenstand rechnen. Andererseits kennt man diesen Hund ja nahezu vom ersten Lebenstag an, es gibt keine "Geheimnisse" in der Vorgeschichte und jedes Fehlverhalten des Hundes kann und muss man sich aus eigenen Erziehungsfehlern erklären.
Der erwachsene Hund hat in der Regel schon ein relativ gefestigtes Wesen, dass es allerdings vor der eventuellen Übernahme erst zu "erforschen" gilt. Erwachsene Hunde aus "guten Verhältnissen" sind problemlos stubenrein, haben einen gewissen Grundgehorsam, können nach entsprechender Eingewöhnungszeit auch eine Weile alleine gelassen werden, zernagen voraussichtlich keine Stuhlbeine mehr usw. Ein gut geprägter und erzogener erwachsener Hund ist also mit Sicherheit für einen Hundeneuling ein leichterer Einstieg in die "Hundewelt". Das erwachsene Hunde sich ihren neuen Menschen nicht mehr anschließen ist ein Vorurteil. Sie brauchen mit Sicherheit etwas längere Zeit, die Bindung wird aber genau so stark werden.
Wichtig ist jedoch, dass man sich genau über die Herkunft und die bisherigen Lebensverhältnisse des Hundes informieren kann und ehrliche Antworten auf seine Fragen bekommt. Dann hat man die Möglichkeit, einen charakterlich zu den eigenen Lebensverhältnissen passenden Hund auszuwählen (zum Beispiel kinderlieb, katzenverträglich). Nicht wenige solcher Hunde suchen wegen gravierender Veränderungen in den Lebensverhältnissen ihrer ehemaligen Besitzer ein neues Zuhause.
Allerdings gibt es da auch die Problemfälle, Hunde die abgegeben werden, weil ihre Besitzer nicht mit ihnen klar kommen, weil sie völlig unerzogen sind, Dominanzverhalten zeigen, vielleicht sogar schon einmal zugebissen haben. Oder total verängstigte Tiere, die ihr bisheriges Leben in schmutzigen Hinterhöfen oder Zwingern gefristet haben. Hier sollte man sich der großen Verantwortung bewusst sein, die man mit einem solchen Hund übernimmt. Gibt man das Tier nach einiger Zeit wieder zurück, so hat der Hund weiteren psychischen Schaden genommen und eine erneute erfolgreichere Vermittlung wird immer schwerer. Mitleid alleine reicht hier nicht aus, es muss Hundeerfahrung vorhanden sein und der feste Wille den Hund mit viel Geduld und professioneller Hilfe "umzuerziehen". Wenn Sie sich der Aufgabe stellen wollen, einem Hund mit "trauriger Vorgeschichte" ein Zuhause zu geben, dann wenden Sie sich bitte unbedingt an ein Tierheim oder eine seriöse "Hunde-Notvermittlung", die von zahlreichen Vereinen oft auch für Rassehunde betrieben wird. |